Weihnachtsmann aus Leidenschaft

Der Bart ist echt, das Lächeln sympathisch und ein toller toller Erzähler ist er auch noch – der Weihnachtsmann aus Kaltenkirchen. Die Begegnung mit Reinhard Trostmann war eine ganz besondere. Klar, er ist für viele DER Weihnachtsmann. Er weiß worauf es ankommt, damit Kinder ihm ihre Wünsche verraten. Und Reinhard Trostmann hat einen eindeutigen mittelostdeutschen Akzent. Er ist in Sachsen-Anhalt aufgewachsen, zu DDR-Zeiten. War auch im Gefängnis, weil er bei einem Fluchtversuch festgenommen wurde. Nach der Wende ist er dann nach Schleswig-Holstein. Darüber und natürlich auch über die Arbeit als Weihnachtsmann haben wir beide miteinander gesprochen, im Schleswig-Holstein-Schnack.

Prozess um Nazi-Verbrechen beendet

Länger als ein Jahr lief der Prozess um Irmgard F., die ehemalige Schreibkraft des Konzentrationslager Stutthof bei Danzig. Immer wieder durfte ich über dieses Verfahren berichten. Es war wohl einer der letzten Prozesse um Verbrechen des Nazi-Regimes. Nun ist ein Urteil gefallen. Die 97-jährige Angeklagte hat eine Jugendstrafe bekommen. Zwei Jahre Haft, zur Bewährung ausgesetzt. Als 18/19-Jährige hatte sie im KZ in der Schreibstube gearbeitet. Nach Ansicht des Gerichts muss sie etwas von den Gräueltaten, von den lebensfeindlichen Bedingungen, den tausenden Toten mitbekommen haben. Der Schuldspruch: Beihilfe zum Mord in 10505 Fälle und Beihilfe zum versuchten Mord in fünf Fälle. Beeindruckt haben mich die Zeitzeugen. Alle hochbetagt, viele fast 100 Jahre alt. Sie haben von unbeschreiblichen Dingen berichtet, Hunger, Gewalt und unfassbar vielen Toten… Einige der Überleben haben berichtet, dass sie nach ihren Aussagen tagelang nicht schlafen können. Alles sei wieder sehr sehr präsent. Aber, sie seien es schuldig zu berichten, allen denjenigen, die ihr Leben verloren haben.

Nicht zur Aufklärung beigetragen

Die Angeklagte hat sich während des gesamten Verfahrens nicht geäußert. Lediglich ihre letzten Worte hat sie genutzt. „Es tut mir leid, was alles passiert ist. Ich bereue, zu der Zeit in Stutthof gewesen zu sein. Mehr kann ich nicht sagen.“ Irmgard F. hatte bereits in führen Prozessen ausgesagt, als Zeugin. Doch diese Aussagen durften nicht verwendet werden. Es war ihr Recht diese vom Verfahren gegen sich selbst ausschließen zu lassen. Der damalige Lagerkommandant Paul Werner Hoppe wurde 1957 zu neun Jahren Zuchthaus verurteilt. Ende 1960 wurde er wieder entlassen. 1974 ist er gestorben. Hat er eine gerechte Strafe bekommen? Aus heutiger Sicht, sicherlich nicht. Und auch während dieses Prozesses musste ich immer wieder die Frage beantworten, warum denn jetzt noch so ein Prozess mit einer so alten Frau?!? Ganz einfach Mord verjährt nicht, auch nicht Beihilfe. Klar ist es ein Skandal, dass weit mehr als sieben Jahrzehnte gedauert hat, bis auch eine Schreibkraft vor Gericht gestellt wurde. Der Richter stellte in seinem Urteil dar, sie hätte kündigen können, ohne Folgen befürchten zu müssen. Hat sie aber nicht. Sie hat mit ihrer Arbeit zum Funktionieren des Systems beigetragen. Kurz: Ein historischer Prozess.

Überlebende haben das Urteil begrüßt

Dieser Schuldspruch wird den Toten sicher nicht gerecht. Wie soll es auch gehen, bei den unfassbaren Ausmaßen der Taten. Die Anwälte der Nebenkläger haben kurz vor Schluss des Prozesses gesagt, sie wünschen sich ein Urteil. Auch um ein Zeichen zu setzen. Das ist nun passiert. Was Irmgard F. heute über ihre damalige Arbeit in der Schreibstube denkt, wissen wir nicht. Ich selbst weiß auch nicht, was ich zu der Zeit gemacht hätte. Beteiligt, weggeschaut, bekämpft, geflüchtet? Eine Antwort habe ich bis heute nicht. Die Nazi-Propaganda hat bei der Angeklagten Spuren hinterlassen. Doch irgendwann im Leben kommt jeder vielleicht auch den Punkt zu sagen, es war falsch dabei gewesen zu sein, sich beteiligt zu haben. Ich sehe die Welt heute anders und schäme mich, bedauere,… bin zur Einsicht gelangt, es war ein Fehler. Diese Worte kamen von der Angeklagten nicht im Prozess.

Die Erinnerungen der Überlebenden werden weiter mahnen, nie wieder.

Meine Kollegin Corinna Below hat in den vergangenen Jahren Überlebende getroffen, Gespräche mit ihnen aufgezeichnet und veröffentlicht. Nachlesen, anhören, lebendig halten.

Update 28.12.22:

Die Verteidigung hatte bereits nach dem Urteilsspruch angekündigt, eventuell in Revision gehen zu wollen. Das ist nun geschehen. Das Urteil ist damit noch nicht rechtskräftig.

Sachlich oder nah dran?

Menschen mit Blutkrebs brauchen meist eine Stammzellspende. Darüber habe ich schon so viele Male berichtet. Jedes Mal steckt hinter diesem einfachen Fakt ein Schicksal. Vor wenigen Tagen bekam ich einen Anruf. Der Pressesprecher einer Feuerwehr machte mich auf einen Kameraden aufmerksam. 39 Jahre alt, zweifacher Vater, engagierter Feuerwehrmann. Uff, durchatmen. Den Redaktionen eine Angebot geschickt. Die Kolleg*innen baten mich es umzusetzen. Der erste Teil, ein Telefoninterview mit der besten Freundin. Vorgespräch geführt, Mitgefühl gezeigt. Dann Dreh für s Fernsehen. Ideen besprochen, alles organisiert. Es war klar, dass es ein sehr bewegender Film werden würde. Doch dann stand ich da plötzlich am Spint des Feuerwehrmannes. Mein Kameramann filmte den verlassenen Spint, die ungenutzte Einsatzkleidung. Still im Umkleideraum. Wie eine Andacht. Viele traurige Gedanken über einen Mann, den ich noch nicht mal persönlich getroffen habe. Kämpfe mit den Tränen. Aber es gibt Hoffnung. Vielleicht sieht ja die entscheidende Person den Beitrag, registriert sich, der Körper nimmt die Spende an und alles ist gut. Hoffnung. Es kann noch viel Gutes passieren. Ist es zu unprofessionell? Ist der Bericht zu nah? Um etwas zu erreichen, andere zu bewegen, aufzurütteln, muss es manchmal sein. Ich drücke die Daumen! Hier zum Beitrag (bis 8.11.23 verfügbar) und hier zur DKMS-Aktion.

Schuldnerberater: „Wir können hier viel bewegen!“

Rund 350 Menschen haben im vergangenen Jahr Hilfe bei der AWO-Schuldnerberatung in Norderstedt gesucht. Dabei geht es nicht immer um riesige Summen. Manchmal sind schon 5.000 Euro zu viel, um sie jemals zurückzahlen zu können. Krankheit, Jobverlust, gescheiterte Selbstständigkeit. Die Gründe für Schulden sind vielfältig und sehr sehr unterschiedlich. Der wichtigste Rat von Schuldnerberater Horst Wördehoff ist: „Keine Scheu. Es wird niemand wegen seiner Schulden und Probleme verurteilt. Wir suchen nach Lösungen und helfen.“ Für den NDR-Podcast „Schleswig-Holstein-Schnack“ habe ich mich mit Horst Wördehoff unterhalten. Er sagt beispielsweise, dass die Lösungswege bei Überschuldung vielfältig und individuell sind. Rückmeldungen von Menschen, denen er nachhaltig geholfen hat, machen ihn sehr glücklich. Hier die ganze Folge

Was ist schon normal?

Das wir alle individuell sind und Macken, Eigenarten haben, sollte jedem bewusst sein. Die meisten von uns kommen damit im Alltag gut alleine klar. Aber es gibt Menschen, die sind halt anders, Menschen mit Behinderungen, sei es geistig oder körperlich oder beides. „Wir alle gehören zum Leben dazu“, sagt Stephan Bruns, der Leiter der Stormarner Werkstätten. Gärtner, Fahrradmonteure und viele weitere Jobs erledigen seine Mitarbeiter. Doch irgendwie fehlt es an Berührungspunkten zwischen den Werkstätten Beschäftigten und den Menschen mit Macken und Eigenheiten. Vorurteile gibt es (wie in viele anderen Bereichen auch) immer noch, weil Begegnungen fehlen. Mit Stephan Bruns habe ich mich darüber und vieles andere unterhalten. Vielleicht klappt es ja so mit einem kleinen Einblick in die Welt von Menschen mit Behinderungen. Jajaja, wieder so ein Gutmenschen-Gespräch!! Nein, ein beeindruckender Mann über noch beeindruckendere Menschen. Der Schleswig-Holstein Schnack, überall wo es Podcasts gibt, z.B. der ARD-Audiothek oder unter ndr.de/sh. Hört rein, schließlich habt Ihr ihn auch mit Euren Rundfunkbeiträgen finanziert. Danke für die Möglichkeit, Welten sichtbarer zu machen.

Norderstedt feiert 50+2. Geburtstag

Wenn so ein Geburtstag wegen einer Pandemie ins Wasser fällt, dann wird er halt zwei Jahre später einfach nachgeholt. Genauso hat es Norderstedt an diesem Wochenende gemacht. Mehr als 10.000 Menschen haben zwei Tage lang feiert. Freitag dürfte ich als Reporter arbeiten und den unfassbaren Sydney Youngblood erleben. Der Mann ist schon 61, hat auch schmerzende Beine (hat er so erzählt) und immer noch unfassbar viel Energie. Neben seinen beiden Hits („If only i could“, „Sit and wait“) hat er noch eine ganze Reihe seiner Lieblingssongs gespielt. Den Leuten hat es auch gefallen. ndr.de/sh

Partystimmung in Schenefeld beim NDR Festival

Am Samstag haben rund 11.000 Menschen den 50. Stadtgeburtstag Schenefelds (Kreis Pinneberg) gefeiert. Die Mannheimer Band ClockClock hat mit eingängigen Electro-Pop-Songs überzeugt. Vorher hat die Coverband Shout! für ordentlich Stimmung gesorgt. Die Moderatoren Kristin Recke und Julian Krafftzig haben den gesamten Abend gut im Griff. Details auf ndr.de/sh

Im Einsatz für andere – Neue Podcast-Folge

Die Hölk-Hochhäuser in Bad Oldesloe sind als sozialer Brennpunkt bekannt. Wer dort wohnt und eine andere Wohnung sucht, hat es deswegen schwer. In den beiden Hochhäusern wohnen Menschen aus fast allen Nationen der Welt. Rundrum stehen Reihen- und Einfamilienhäuser. Zwei Welten die nicht richtig zusammenpassen. Maria Herrmann ist die Quartiersmanagerin für alle in dem Stadtteil. Aber ihre Hauptarbeit besteht darin, sich um die Menschen der beiden Hochhäuser zu kümmern. Sie unterstützt sie bei Antragen, Fragen und Problemen. Ein Job der viel fordert, aber auch gibt. Darüber spreche ich in der aktuellen Folge von „Der Schleswig-Holstein-Schnack“. Zu finden in der ARD Audiothek und natürlich hier.